In Uganda hält ein Mann noch um die Hand der Frau an – bei ihrem Vater. So gehört es sich. Wenn aber ein potentieller Schwiegersohn-Dickkopf auf einen starrsinnigen Schwiegervater in spe trifft, dann ist nicht klar, wer am Ende die Oberhand hat. Gerade, wenn es für beide um eine geliebte Frau geht – die Angebetete des einen, gleichzeitig die Tochter des anderen.
In dieser wahren Geschichte gibt es gleich ein vierfaches Happy End – aber anders als erwartet.
Am Anfang war es eine einfache Liebesgeschichte
Ein junger Ugander lernt an der Universität eine Frau kennen. Beide studieren. Beide sind gebildet und kommen aus Familien, die ihren Kindern eine gute Ausbildung ermöglichen können. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Er will Journalist werden. Sie möchte später in einem medizinischen Beruf arbeiten.
Er ist Mitte 20. Sie in einem ähnlichen Alter. Sie sehen sich. Sie sprechen miteinander. Sie gehen zusammen aus. Es dauert lange, bis ein erster Kuss passiert. Über Intimitäten reden Ugander ungern. Deshalb kann ich nicht sagen, wann es wo passiert ist. Beide grinsen nur, als sie an ihren ersten Kuss denken. Das ist etwa 15 Jahre her.
Nach dem Kuss kommt die Heirat
Das Paar liebt sich. Auf Augenhöhe. Er respektiert sie. Sie ist stolz auf ihn. Beide schließen ihr Studium ab. Er arbeitet als Journalist. Sie ist in einem Krankenhaus angestellt. Die Beziehung findet auf Augenhöhe statt. Allerdings wissen die Familien nicht, dass die beiden zusammen sind. Vor der Heirat intim zu werden oder sich auch nur zu küssen, das war zu der Zeit nicht angesehen, nicht schicklich. Darum halten sie ihre Beziehung noch geheim. Auch heute sieht man eher zwei Männer Hand in Hand die Straße entlanggehen, als ein Pärchen. Freundschaft zu zeigen ist okay, Liebe zwischen Mann und Frau: „Das macht man nicht!“ Erst die Jugend in den großen Städten, wie Kampala, zeigen sich heute offener und fordern Freiheit in der Liebe ein.
Ihre Verbindung ist so tief, ihre Gefühle so groß, dass er um die Hand seiner Liebsten anhalten will. Bei ihrem Vater. Das Paar ist schon viele Jahre zusammen. Die Familien ahnen bereits, dass die beiden sich lieben. Er arbeitet mittlerweile nicht mehr als Journalist, weil er mit dem Präsidenten nicht einverstanden ist. Wenn er nicht regierungskonform berichtet, kann es unangenehm und sogar gefährlich für ihn werden. In Uganda wird systemkritischen Journalisten heute noch gedroht, ab und zu verschwinden welche. Nicht alle tauchen wieder auf. Er hat die Wahl: Schreibe ich etwas, dessen Meinung ich nicht bin – oder mache ich einen anderen Job, kann mir aber im Spiegel ins Gesicht schauen?! Er kündigt, wird Tourguide und erklärt Touristen sein Land. An einem Dienstag im Mai fährt er zu der Familie seiner Liebsten, um den Vater um die Hand der Tochter zu bitten.
Zwei Sturköpfe treffen aufeinander
Vater und potentieller Schwiegersohn kennen sich schon. Die Tochter hatte ihn ein paar Wochen vorher mit zum Abendessen gebracht. Der Vater ist ein großer Verehrer des Präsidenten und kann nicht verstehen, wie der junge Journalist seinen Beruf nicht mehr ausüben will.
Der junge Mann steht vor dem alten Mann. Er kommt mit guten Absichten. Er ist nervös. Seine Hände sind nass. Die beiden Männer setzen sich im Wohnzimmer auf ein Sofa. Der junge Mann beteuert seine Liebe zu der Tochter des alten Mannes. Er lobt sie in den höchsten Tönen, möchte den alten Mann davon überzeugen, dass er der Richtige und gut für die Tochter ist.
Der Vater ändert das Thema, fängt an über Politik zu reden. Er lobt den Präsidenten. Er bittet den jungen Mann wieder als Journalist zu arbeiten. Der alte Mann hofft auf eine steile Karriere, die der junge Mann hätte. Das ist gut möglich. Ehemalige Kommilitonen sind heute Staatssekretäre. Aber sie müssen sich entweder verbiegen oder sind mit der Regierung einverstanden. Der junge Mann entschuldigt sich und winkt ab. Das will er nicht. Für kein Geld der Welt. Er kommt auf das Thema „Hochzeit“ zurück.

Ein Teil einer Kuhherde in Uganda
Du willst 20 Kühe – Du bekommst 20 Kühe
Auch heute gibt es noch den Brautpreis in Uganda – meist Geld oder Kühe, die der Bräutigam den Brauteltern im Gegenzug zur Heirat gibt. Heute werden nach Absprache auch Fernseher oder Kühlschränke von den Brauteltern akzeptiert.
Der Vater guckt den jungen Mann an, der nicht als Journalist arbeiten will. Als Tourguide verdient dieser viel weniger Geld. Der Vater schweigt. Dann fordert er 20 Kühe für seine Tochter. In den Augen des jungen Mannes eine Beleidigung, denn er kommt aus einer Familie, die unter anderem Geld mit Ackerbau verdient, aber nicht mit Viehzucht. Vier oder fünf Kühe, die hätte er für angemessen gehalten, erzählt er später. 20 Kühe sind ein total überzogener Preis. Er steht auf und geht.
Er geht nicht nach Hause. Er geht zu einem befreundeten Tischler. Er bestellt 20 Kühe – aus Holz! Eine Woche später bringt er dem alten Mann 20 Kühe mit den Worten: „Du hast nicht gesagt, dass sie lebend sein müssen!“
Ende der Geschichte: Das Paar hat heute vier gemeinsame Kinder, ist aber nicht verheiratet! Die Liebe lebt – auch ohne Trauschein. Was aus den 20 Holzkühen geworden ist, das weiß das Paar nicht. Diese Frage kann wohl nur der alte Mann beantworten. Aber der schweigt.
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